Erdkunde

Im Mittelpunkt geographischer Fragestellungen stehen die raumwirksamen Mensch-Umwelt-Beziehungen im System Erde. Das System Erde kann als dynamisches System aus Teilsystemen wie der Erdoberfläche, dem Klima, der Gesellschaft oder der Wirtschaft begriffen werden. Diese eigenständigen Teilsysteme sind vielfältig untereinander durch Wirkungszusammenhänge verbunden. Daher gilt es, den Blick auf die für Räume charakteristischen Prozesse zu richten und die damit einhergehenden Veränderungen der Erde als Lebensraum des Menschen zu begreifen. Diese Prozesse können schleichend sein wie der Klimawandel oder die Veränderung gesellschaftlicher Werte, aber auch hochdynamisch wie Erdbeben, Vulkanausbrüche oder gesellschaftliche Konflikte. Sie können die Lebensbedingungen in manchen Räumen verbessern, in anderen

zugleich verschlechtern. Das Verstehen von geographischen Phänomenen, Strukturen und Prozessen sowie der komplexen wechselseitigen Beeinflussung von Natur und menschlichem Handeln sind elementar für die Zukunftsfähigkeit jeder Gesellschaft. Im Fokus des Geographieunterrichts steht daher die analytisch

forschende sowie zukunfts- und handlungsorientiert wertende Auseinandersetzung mit dem System Erde. Die Schülerinnen und Schüler lernen vielfältige, oft faszinierend schöne und interessante, aber auch widersprüchliche und problematische naturräumliche und kulturelle Phänomene und Prozesse der Erde kennen. Sie erfassen bisherige, aktuelle Entwicklungen und zu erwartende Veränderungen der Erde als Ganzes sowie in ihren Teilräumen. Dabei lernen sie, dass wir Menschen Teil des Systems Erde sind: Wir können dieses durch unsere Lebens‑, Wirtschafts- und Verhaltensweisen entscheidend gestalten, es erhalten,

aber auch in seiner Regenerationsfähigkeit gefährden. Der Anthropozän-Ansatz greift diese raumprägende Wirkung menschlichen Handelns auf und erklärt den „Geofaktor Mensch“ zur heute wirkmächtigsten Größe im System Erde. Anhand konkreter Raumbeispiele auf unterschiedlichen Maßstabsebenen erkennen die Schülerinnen und Schüler die Funktionszusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und der Regenerations- und Tragfähigkeit von Räumen des Systems Erde. Sie entwickeln raumbezogene Handlungskompetenz und können somit

gesellschaftlich und individuell im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung agieren. (Bildungsplan 2016)